In Norwegen ist Oslo weit weg

Mohrkirch/hjk

Bei den Deutschen Meisterschaften 2006 schaffte Markus Waterhues mit seinem Dressurpferd Don Jos Platz zwölf. (Repro: Köhler)

Kein Fjord in der Nähe, die Sprungschanze vom Holmenkollen und die Hauptstadt Oslo sind weit weg: Denn Norwegen liegt mitten in Angeln. Genau betrachtet handelt es sich um einen großzügig angelegten Dreiseithof in der Gemeinde Mohrkirch. Eindeutig beherrscht wird diese Anlage von rassigen Pferden, hauptsächlich der Oldenburger Rasse. Hausherr ist Markus Waterhues, ein gelernter Pferdewirtschaftsmeister und bundesweit erfolgreicher Dressurreiter. Bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften der Berufsreiter in Hagen (Teutoburger Wald)schaffte der 40-Jährige mit seinem Spitzenpferd, dem 13-jährigen Wallach Don Jos, den zwölften Rang.
 

Daheim auf Hof Norwegen hat die Familie Waterhues Ende der 1980er Jahre eine „Schule für Pferde“ aufgebaut. Insgesamt 82 Boxen stehen in diesem „Internat“ zur Verfügung, und fast alle Tiere können von den alten Dreiseit-Scheunen und den Nebengebäuden durch Außenfenster auf den Hofplatz schauen. Etwas abseits liegt ein helle, freundliche Reithalle mit einer 20 mal 60 Meter langen Reitbahn und einem noch größeren Außenspringplatz, dessen Sandboden von den Dressurreitern auch zur so genannten Gymnastizierung ihrer Tiere genutzt wird. Markant recken sich angrenzend an die innere Hofanlage schöne alte Eichen und Linden in die Höhe.

Markus Waterhues mit Ehefrau Helga und den Kindern Tobias, Johanna, Paul und Sebastian haben die Pferde in ihr Herz geschlossen. Foto: Köhler

Im Wohnhaus, 1886 von Landwirt Jacob Thomsen gebaut, hat die Familie Waterhues in den acht Zimmern im Erdgeschoss ihr Domizil. Markus und Helga Waterhues haben vier Kinder: Tobias, 14, Johanna 12 und die siebenjährigen Zwillinge Paul und Sebastian.
Im Dachgeschoss sind drei komfortable Ferienwohnungen eingerichtet - mit insgesamt zehn Gästebetten. Wer als Tourist hierher kommt, kann gegebenenfalls einen Reitkurs buchen oder ein Reitpferd ausleihen.
Immer wieder wird von Fremden nachgefragt, wie es zum Hofnamen Norwegen gekommen ist. Die Antwort steht in der Mohrkircher Chronik: Zwischen Mohrkirch und Rüde führte in früheren Zeit ein einsamer „Norderweg“, auf Platt: „Nodderweg“. Im Volksmund entwickelte sich daraus später der „skandinavische Begriff“.
Zurück zu den Pferden: In der linken Scheune, dem 1843 errichteten früheren Kuhstall, sind heute Sportpferde untergebracht. In einem Teilbereich befindet sich der Zuchtstall. Sorge macht in diesem Altbau der Giebel an der Nordseite: Das alte Mauerwerk über dem Granitsockel bildet eine beulenartige Verformung der roten Ziegel-Außenwand. „Wir müssen hier unbedingt Abhilfe schaffen“, sagt Markus Waterhues. Berndt Lassen, Vorsitzender der IG Baupflege Angeln, stimmt ihm zu. „Aber ansonsten ist die Hofanlage in einem guten Zustand.“
In den gegenüberliegenden Gebäude (von 1853) haben zahlreiche Pensionspferde ihre Boxen. Auf dem Dreiseithof Norwegen sind gegenwärtig 20 Ausbildungspferde beheimatet. Sechs Ponys werden für den Reitunterricht von Minis gehalten. Zu dieser Jahreszeit stehen vier Jungpferde aus eigener Zucht auf der Wiese. Zwei Oldenburger Stuten sorgen für Nachkommenschaft. Seit 1987 haben auf Norwegen 25 Fohlen das Licht der Welt erblickt. Auch Don Jos, Spitzenpferd und wahres Bewegungstalent, wurde hier geboren und in die Schule geschickt.
Jeder der 80 Vierbeiner dieses Ausbildungsbetriebs verzehren pro Tag fünf Kilogramm Hafer und Kraftfutter, dazu Gras, das auf 15 Hektar Grünland wächst, und Silage. Ehe die Dressurpferde ihre Turnierreife erlangt haben, vergehen fünf bis zehn Jahre.
Der Betrieb Norwegen ist zugleich Ausbildungsstätte für vier angehende Pferdewirte. Eine Praktikantin und ein weiterer Mitarbeiter zählen zum Team Waterhues. Übrigens: Die Herkunft dieses Familiennamens hat keine holländischen Wurzeln. Die Vorfahren lebten 720 Jahre lang auf einem Bauernhof, der halligverdächtig von einem Nebenarm der Lippe in Werne eingekreist war. Bei Hochwasser drohte das Gehöft, heute in einem Naturschutzgebiet gelegen,  zu einem „Wasserhaus“ zu werden.