Ein schmucker Dreiseithof direkt an der Schlei:

Gezüchtet und gehalten werden im Betrieb Ehlers-Prahl in Pageroe Holsteiner Pferde,  Jagdhunde und Angelner Sattelschweine

Ekenis/hjk

Mit zwei Jagdhunden vor der Hauptfront des Wohnhauses: Joachim Ehlers, Ehefrau Ingrid und Tochter Andrea Prahl, jetzt Hofeigentümerin in Pageroe. (Foto: Köhler)

Eine bevorzugte Lage an der Schlei hat der Dreiseithof Ehlers in Pageroe vorzuweisen. Zwischen dem 23 Meter langen Wohnhaus, das nach einem Großbrand 1912 wieder aufgebaut wurde, und dem Schleiufer liegen nur ein gepflegter Garten und eine Koppel. „Wir haben einen Uferabschnitt von 1.600 Metern ganz für uns“, berichtet das Ehepaar Joachim und Ingrid Ehlers, deren Tochter Andrea Prahl seit fünf Jahren alleinverantwortliche Betriebsinhaberin ist. Ihr Ehemann Jan-Oliver ist Lehrer an der Förderschule in Kappeln.

Dem Ekenisser Dorfbuch von 1935 ist zu entnehmen, dass erster Besitzer dieses Anwesens der Landwirt Asmus Paulsen im Jahr 1681 war. Nach zwölfmaligem Wechsel der Hofeigentümer kam der Dreiseithof 1920 an den Landwirt Christian Kaufmann, der aus dem dänisch gewordenen Nordschleswig an die Schlei gezogen kam.

Im Erdgeschoss und im Obergeschoss wohnen in über 20 Zimmern drei Generationen unter dem gemeinsamen Ziegeldach. Vor der nach Norden – und damit auf den Hofplatz – ausgerichteten Hauptfront reckt sich eine 1950 gepflanzte Blutbuche in die Höhe.

Die gut erhaltene Fachwerkscheune beherbergt derzeit eine Hengststation für die Zucht der edlen Holsteiner Rasse. (Foto: Köhler)

Die rechtwinklig an beiden Seiten angrenzenden Nebengebäude haben es im wahrsten Wortsinn „in sich“. Ins Auge sticht vor allem nach Osten hin eine Fachwerkscheune, in der früher Korn gelagert wurde. Die noch an einer Stelle angebrachte Jahreszahl verrät ihr hohes Alter. Baujahr 1643. Längst ist das ursprüngliche Strohdach gegen moderneres Material ausgetauscht worden. Im Gebäudeinneren hat sich ein Wandel vollzogen. Heutzutage ist hinter den alten Mauern eine bedeutende Zuchtstation für Holsteiner Pferde stationiert. Von nah und fern kommen die Pferdezüchter mit ihren Stuten zur Besamung in die Hengststation Pageroe. Die Tierärzte geben sich hier von Mitte Februar bis Mitte August die Klinke in die Hand. „Im nächsten Jahr werden bei uns voraussichtlich 16 eigene Fohlen geboren“, sagt Andrea Prahl voraus. Auch Pensionspferde stehen in den Ställen. In Pageroe haben 40 Vierbeiner ihren „ständigen Wohnsitz“. Zum Betrieb gehören 30 Hektar Grünland, ausschließlich zur Erzeugung von Tierfutter.

Museumsstück: Mit diesem altertümlichen Reetkamm aus Eichenholz ernteten in früheren Zeiten die Landwirte das Material für ihre Dächer. (Foto: Köhler)

In einem Teilbereich dieses Gebäudes sind noch ein paar landwirtschaftliche Fahrzeuge abgestellt. Joachim Ehlers deutet hier auf ein museumsverdächtiges Gerät: ein vor Jahrhunderten aus Eichenholz gefertigter Reetkamm, der von den Altvorderen per Hand durchs Schilf gezogen wurde. Dabei rissen die Zinken das Blattwerk von den Halmen, dem  benötigten Rohmaterial für die Reetdächer.
Gleich in vierfacher Funktion wird das gegenüberliegende Gebäude genutzt. Auch dieser einstige Kuhstall war 1912 nach Blitzschlag ein Raub der Flammen geworden. An gleicher Stelle entstand ein Neubau.

Heute werden hier in einem Teilbereich rund 30 Mutterkühe der Rasse Blonde d`Aquitaine gehalten. Des weiteren tummelt sich in Laufboxen auf Stroh eine Gruppe der selten gewordenen Angler Sattelschweine, die reichlich für Nachwuchs sorgen. Die auf dem Dreiseithof Ehlers erzeugten Fleischwaren von Rind und Schwein werden an Ort und Stelle veredelt und im betriebseigenen Hofladen direkt vermarktet. „Unsere Kunden sind froh, dass die Pageroer Fleischstücke beim Braten nicht schrumpfen“, merkt Ingrid Ehlers an.  
Vierter Zweig unter dem Dach der früheren Kuhstallscheune ist eine Kinderstube für Jagdhunde der Rasse „Deutsche Langhaar“.  In 35 Jahren wurden hier rund 120 Welpen geboren.

Joachim Ehlers versteht sein Handwerk als Hundezüchter und Ausbilder von vierbeinigen Jagdhelfern. Als Experte ist er längst zum Kreishundeobmann avanciert. Die Jäger kommen mit ihren Hunden nach Pageroe, um ihre Tiere innerhalb eines halben Jahres fit für die Jagd zu machen.